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MUSEUM

Die Wurzeln der heutigen Tischlerei Schraffl gründen in einer arbeitsreichen Vergangenheit, die von Weitblick und unternehmerischem Denken geprägt war. Die Zeugnisse der familieneigenen Handwerksgeschichte sind in einem sehenswerten und landesweit einzigartigen Tischlermuseum, das in unserem Tischlereibetrieb in Welsberg untergebracht wurde, ausgestellt.

Das Tischlermuseum der Familie Schraffl zeigt auf beeindruckende Art und Weise mit welch einfachen Hilfsmitteln einst gearbeitet wurde und umfasst nicht nur das vollständige Werkzeuginventar einer Tischlerei aus der Zeit, in der es bei uns die Maschine auch nicht nur in ersten Ansätzen gab, sondern auch einen beachtlichen Archivbestand von Schriftdokumenten.

Den größten Teil davon enthält die schöne Zunfttruhe, die dem Besucher gleich beim Betreten des Museumsraumes ins Auge fällt.
Das schöne, mit Intarsien geschmückte Möbelstück, stammt aus dem 18. Jahrhundert, in dem der alten Zunftordnung erstmals im Sinne der Aufklärung die Auflösung drohte.
Zur Stärkung ihrer Position den Staats- und Landesstellen gegenüber schlossen sich die einzelnen Handwerkszünfte von Innichen, wie auch andernorts, zu einer Gemeinschaft zusammen, die eine eigene „Lade“ – so nannte man die Zunfttruhe – bekam; bezeichnenderweise finden wir an der
Außenseite der Truhe die Zunftzeichen aller Handwerke, die dieser übergeordneten Gemeinschaft angehörten. Schrift- und Bilddokumente werden ferner im kleinen Büro gehortet,das eine eigene Abteilung in Schraffls Museum bildet. Manche davon würden es verdienen, in einer Vitrine ausgestellt zu werden,was jedoch wegen der Raumenge kaum machbar ist; aber zumindest die kostbaren Siegelstöcke der Innichner Zünfte sollten dem Museumsbesucher nicht vorenthalten werden.

Die wissenschaftliche Auswertung aller hier gehorteten Archivalien würde ein stattliches Buch ergeben. Außerdem sind im Eingangsbereich des Museums sehr sehenswert einige Arbeiten vom Vater des Seniorchefs, u.a. das schmucke Gesellenstück aus dem Jahre 1903.

Vor Beginn unseres Rundganges lassen wir den gesamten Raum mit der nahezu unübersehbaren Fülle von Ausstellungsstücken auf uns wirken.
Die schweren Fußbodendielen und die robuste Täfelung bilden für uns das übersichtlich und mit viel Liebe angeordnete Museumsmaterial einen passenden Rahmen.
Das Gesamte bietet in lebhafter Weise Einblick in die Arbeitswelt eines Tischlers vergangener Zeiten. Funktion und Handhabung mancher Werkzeugstücke sind heute kaum mehr bekannt und müssen deshalb durch eine fachkundige Führung erklärt werden.

Beim Erklären ist Meister Schraffl, der als junger Mann noch mit allen diesen Werkzeugen gearbeitet hat, voll in seinem Element. Wenn er über das Schaffen seines Großvaters und Vaters sowie über sein eigenes einstiges Arbeiten erzählt, bekommen die einzelnen Exponate, vom einfachsten Hobel und von der primitivsten Handsäge bis zu den ersten maschinellen Geräten, plötzlich neues Leben, und man erahnt, mit welcher Mühe der Tischler einst als Handwerker im wahrsten Sinne des Wortes tätig war, und wie viel wirklich handwerkliches Können er haben musste, das dem heutigen Berufsgenossen schon längst und immer mehr die Maschine abnimmt.
Ein Hobel, das Emblemzeichen des Berufes, kommt z.B. heute bestenfalls noch bei der Montagearbeit in Einsatz, um kleine Unebenheiten und Mängel vor Ort zu beseitigen, aber wer wird heute noch ein vom Sägewerk geliefertes Brett händisch mit der „Rachbank“ und den verschiedenen Hobeln glätten? Sie diente beim ersten Hobelgang zur Entfernung der gröbsten Rauheit des Brettes.

Noch vor siebzig Jahren bildete das händische Hobeln fast die Hauptarbeit des Tischlers, die mit viel Übung erlangtes Feingefühl erforderte.

Es war die ferne Zeit, in der der Dichter Ferdinand Raimund in seinem Bühnenstück „Der Verschwender“ den Tischler Valentin sagen ließ:

Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nit in Wut;
da klopf ich meinen Hobel aus
und denk: du brummst mir gut!

Und noch der Vater des heutigen Seniorchefs hatte in der Werkstatt folgenden Spruch gut sichtbar angebracht:

Für den Tischler bleibt’s sich ganz egal,
ob er arm ist oder reich,-
denn er setzt den Hobel an
und hobelt alles gleich.

Bei der Schau in die Vergangenheit soll jedoch nicht Nostalgie in uns wach werden, wohl aber Staunen über die handwerklichen Fähigkeiten von einst – und Dankbarkeit für die von den bisherigen Tischlereigenerationen erbrachten Leistungen.

Mit dieser gedanklichen Vorbereitung treten wir unseren Museumsrundgang an, und zwar, vom Eingangsbereich beginnend, zunächst im Uhrzeigersinn entlang der Wände, wobei die nun folgenden Abbildungen mit den beigegebenen Erläuterungen als Orientierungs- und Interpretationshilfen dienen mögen.

Wie bereits angeführt wurde, muss sich auch ein junger Tischler die Handhabung mancher Geräte erklären lassen, da diese Sammlung in eine Zeit zurückreicht, an die sich nur mehr die älteren Berufskollegen erinnern.
Was Kandidus Schraffl sen. Hier geschaffen hat, ist sicher landweit einmalig und bildet eine wertvolle Ergänzung zum Volkskundemuseum in Dietenheim, das fast ausschließlich der einstigen Lebens- und Arbeitswelt der Bauern gewidmet ist. Während die allermeisten anderen Tischler die alten und nicht mehr verwendeten Werkzeuge und Arbeitshilfen vernichtet haben, war es Schraffl ein Anliegen, alles, was ihm und seinen Vorgängern durch viele Jahre in der handwerklichen Tätigkeit gedient hat, liebevoll aufzubewahren.

Mögen dem Beispiel Schraffls auch viele andere Handwerksbetriebe folgen!

 

FOTOARCHIV VOM MUSEUM